Pubertät - ja bitte!

10. DEZ 2017 Aktuelles

Jan-Uwe Rogge wirbt bei Eltern um Verständnis für ihre pubertierenden Kinder

Eins vorweg: Es war ein sehr lustiger Abend. Dabei ging es um eine sehr ernste Sache: die Pubertät.

Erziehungsexperte Jan-Uwe Rogge war der Einladung des Schulelternbeirates des Gymnasiums Nieder-Olm gefolgt und brachte die ausverkaufte Eckes-Halle am Nikolaustag zum Toben.

Gekommen waren mehr als 600 Mütter und Väter, die Rat suchten, die „den schon immer mal live sehen“ wollten und die hier und jetzt wissen wollten, wie’s mit der Erziehung ihrer pubertierenden Kinder besser geht. Jan-Uwe Rogge, einer der bekanntesten Erziehungsberater Deutschlands, Bestseller-Autor, Familientherapeut und promovierter Sozialwissenschaftler war gekommen, um zu helfen. Aber er versprach auch: „Das wird kein schöner Abend.“

Schnell wurde klar, wieso: Rogge, der mit nichts weiter auf der Bühne stand als einem imaginären Notfallkoffer, gefüllt mit Tipps für einen friedvolleren Umgang zwischen Eltern und ihren noch nicht ganz erwachsenen Kindern, packte aus: „Ab 35 ist Schluss, bei H&M einzukaufen.“  Das saß und gab die Stoßrichtung vor. Rogge hielt den Eltern zwei Stunden lang den Spiegel vor und nahm dabei konsequent die Rolle des Anwalts ihrer desorientierten Kinder ein: „Die Aufgabe der Pubertät ist es, bestimmte Grundsätze in der Familie zu hinterfragen.“ Das führt zwangsläufig zu Interessenkonflikten.

Heranwachsende wollen gemocht werden, erklärte Rogge, auch wenn sie es ihren Eltern nicht immer leichtmachen („Mein Kind duscht nicht“, „Räumt sein Zimmer nicht auf“, „Tut nichts für die Schule.“)

Doch auch solange es mit der Körperhygiene, dem Ordnungssinn und dem Fleiß nicht so läuft wie gewünscht, riet Rogge: „Nehmt eure Kinder an, auch wenn sie nicht so sind wie ihr sie gerne hättet.“ Und der Pädagoge hatte noch mehr gute Ratschläge auf Lager:

  • Legt eine Zeit fest, wann über Schule gesprochen wird, maximal fünf Minuten am Tag
  • Schließt Verträge ab fürs Saubermachen
  • Legt eine Zeit fest, wann Hausaufgaben gemacht werden. Anschließend kurz kontrollieren, das reicht
  • Seid froh, wenn die Pubertierenden in der Schule sind… und dann LÜFTET!

Um diese erhellenden Weisheiten ins rheinhessische Nieder-Olm zu bringen, brauchte es einen langen Atem. SEB-Mitglied und Initiatorin des Abends, Marion Wasmayr, hatte Rogge im Januar angefragt und erst für Dezember eine  Zusage erhalten.

„Viele im SEB waren sehr skeptisch, ob das alles klappt, der Eintrittspreis von zehn Euro wurde von vielen als zu hoch empfunden“, erzählt Wasmayr. „Dass wir am Ende über 600 Tickets verkauft haben und sogar noch zusätzlich bestuhlen mussten, ist ein super Erfolg.“

Der Erlös der Veranstaltung fließt in den Topf des Fördervereins des Gymnasiums Nieder-Olm.

Text: Anuschka Weisener

Fotos: Pirmin Maurer

 

 


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