Von „Schmetter“-ling und Shampoo-Flaschen

14. MAI 2017 Aktuelles

Im Rahmen eines kleinen Wettbewerbes haben wir mit unserem Deutsch-Leistungskurs Glossen verfasst.

Zunächst sollten wir wohl kurz erklären, was denn eigentlich eine Glosse ist: Eine Glosse ist ein ironischer, satirischer und meist lustig geschriebener Kommentar, der zum Nachdenken anregen soll.  Für uns war es eine Herausforderung, den schmalen Grad zwischen Sarkasmus und Witz zu treffen, ohne ins Lächerliche abzurutschen. Bezogen auf unser derzeitiges Thema „Sprache“ sollte jeder Schüler eine eigene Glosse verfassen, in der wir eine mit Witz verpackte Kritik an einem unserer Meinung nach sinnfreien Wort oder Thema üben sollten. Die von uns ausgewählten Gewinnertexte wollen wir Euch natürlich nicht vorenthalten! Viel Spaß beim Lesen! ;)

Text: Svenja Lippke und Charlotte Koch für den LK 11De3.

Foto: Frau Laux_Hein


For men

Ich schätze, ich sollte dankbar sein für die Entscheidungshilfe, schließlich gibt es ohnehin viel zu viel Auswahl an Shampoos, Cremes, Labellos, ... Da kann ich, als Frau, alle „For Men“-Produkte schon mal aus der Auswahl nehmen. Auf der anderen Seite fühle ich mich, mal so ganz platt gesagt, für dumm verkauft. Diese Firmen sehen mich wohl nicht im Stande, selbstständig einen Geruch auszusuchen, denn das ist es ja letztendlich, was „Men“ von Frauenprodukten unterscheidet.

 Wer etwas anderes behauptet, soll mir erstmal den Unterschied zwischen Männer- und Frauenhaar und -lippen erklären und warum sie unterschiedliche Pflege bedürfen. Ich mag nun mal den Geruch von Tabac-Deo und Head-and-Shoulders Shampoo, und ich sehe es überhaupt nicht ein, mir von irgend so einem x-beliebigen Firmenheini sagen zu lassen: „Das dürfen Sie nicht benutzen, das ist „For Men“.  Und überhaupt- MEN? Wenn der ganze restliche Text auf der Verpackung in Deutsch ist? Klingt „Männer“ wirklich so uncool? Oder soll die englische Version des Wortes das Ganze nur weniger absurd wirken lassen?

Also liebe Nivea, Head-and-Shoulders und Co, ich verzichte gerne auf jegliche Beratung dieser Art und wähle meine Pflegeprodukte nach meinem eigenen Geschmack aus. Dankeschön.


Charlotte Koch 11De3



#foodporn- Fifty shades of Gurke?

Mein erster Gedanke, als ich diesen Ausdruck zum ersten Mal hörte war: Das muss wieder einer dieser abgedrehten Pornos sein; in dem sich die Hauptdarsteller irgendwelches Essen um den Mund zu schmieren. Allerdings  geht es dabei nicht um die, wie von mir erwartete, Pornoindustrie, die sich nun auch auf die Esskultur ausgedehnt hat, sondern um die Beschreibung eines hübsch angerichteten Mahles, bei dessen Anblick einem das Wasser im Mund zusammenläuft. Soweit alles schön und gut, aber möchte man sein Festmahl  wirklich mit dem Begriff foodporn versehen?

Sind wir mal ehrlich, bei diesem Wort kommt man eher auf den Gedanken, dass irgendwelche freche Früchtchen oder heiße, knackige Pommes in einem kurzen Filmchen liebäugeln und miteinander die abartigsten Stellungen ausprobieren, so wie man es aus der Pornoindustrie eben kennt. Und trotzdem haben bisher schon über 100 Millionen Instagramm Nutzer diesen Hashtag unter ihnen Bildern verwendet. Teilweise unter Beiträgen mit echten Meisterwerken, die diese Bezeichnung keinesfalls verdienen. Wir fragen uns, von der feinsten Oreotorte bis hin zum saftigen Steak mariniert mit einer zarten Fenchelgewürzmischung, für diese Gaumenorgasmen- ja auch über dieses Wort ist zu streiten- muss man doch andere Hashtags finden als foodporn. Wie wäre es zum Beispiel mit #SündedesTages oder #eigentlichsollteichdasgarnichtessen. Zugegeben, diese Vorschläge sind nicht ganz so international und allgemein vertretbar. Trotzdem besser als die Gedanken, auf die man bei foodporn kommt. Werden also auch bald dünne, leichtbekleidete Pommes unsere Straßenränder säumen und nur darauf warten, dass ein dickes, blutiges Steakvorbeikommt, um sie mitzunehmen? Oder werden wir in der Zeitung lesen, dass ein erneuter Fall von Früchtezuhalterei die Runde macht? Womöglich bald ein Crème fraîche-Bordell im Nachbarort? Wer weiß, was die Zukunft des #foodporn so bringt. Gewiss aber ist, gegen dieses Verbrechen muss mit voller Härte vorgegangen werden.

Lisann Kochem 11De3


 
Schmetterling

An was denken Sie, wenn man im Sommer draußen sitzt, die Vögel zwitschern hört, die Sonne scheint und plötzlich etwas an Ihnen vorbei schmettert? An eine Hummel, eine laut brummende Fliege, eine Stechmücke, die ihren Weg ins Haus sucht, oder vielleicht doch an etwas ganz anderes, wie zum Beispiel an ein landendes Flugzeug?

Wie wäre es denn mit einem Schmetterling? Denn wie jeder weiß, fliegen diese fast mit Lichtgeschwindigkeit und laut trällernd durch im Garten umher.

Das Wort wird aus einem Verb und dem Suffix -ling zusammengesetzt. Dieser wirkt bei Personen eher abwertend, doch bei Tieren und Pflanzen wird das Suffix immer noch als Verkleinerungsform genutzt, wodurch das aussagekräftige Wort „schmettern“ abgeschwächt wird.

Bei dem Wort „schmettern“ denkt man eher daran, dass etwas mit Wucht irgendwohin geworfen wird oder irgendwo aufprallt oder an etwas laut Klingendes. Zumindest denkt man an Lautstärke und Kraft. Jedoch passt nichts davon zu dem leisen, fast schwebenden kleinen Tierchen.

Im Englischen wesentlich passender bezeichnet mit „butterfly“, da das fliegenartige Tier ähnlich wie eine Fliege durch die Luft fliegt, Im Gegensatz zum Deutschen, wo es so fliegt, dass es schmettert und einem die Ohren wegfliegen.

Josephine Röpke und Hanja Kuntzemann 11De3

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