Israel 2019 mit Jesus als Busfahrer

28. MRZ 2019 Aktuelles

Vamos a la playa – das Lied unserer Israel Fahrt. Isabel hat tagelang geübt, um den Text auswendig zu können, hat jedoch nichts gebracht, denn an einen typischen Badestrand sind wir nicht gegangen, dafür aber an den Strand des Toten Meeres. Statt Badeurlaub gab es für uns, 23 Schüler und Schülerinnen der Klassenstufen 11 bis 13 und 5 Lehrer, eine Studienreise mit ganz vielen alten Steinen.

Nach zahlreichen Vorbereitungstreffen machte sich die Gruppe am 24.02.2019 auf den Weg nach Israel. Nach vier Stunden Flug und der ersten Busfahrt mit unserem Busfahrer Abed alias Jesus kamen wir in unserer ersten Unterkunft, dem Paulushaus in Jerusalem, an. Gestärkt vom guten Abendessen mit Pita und Hummus, wurden wir von Herrn Zwickel, Professor für Biblische Archäologie an der Uni Mainz, bei einem Abendspaziergang durch die Jerusalemer Altstadt geführt. Während der Großteil der Gruppe interessiert dem Führer lauschte, machten Yassi, Feli und Emi lieber Fotos von streunenden Katzen. So passierte es an diesem Abend nicht zum letzten Mal, dass die Gruppe auf die Drei warten musste.

An einem anderen Tag zeigte Herr Zwickel uns die Jerusalemer Altstadt zwar im Hellen, jedoch bei Kälte, Regen und Hagel. Mit nassen Füßen, durchweichten Hosen, aber reichlich guter Laune bestaunten wir die Grabeskirche, die Klagemauer und die Alte Davidsstadt. Während Lara und Lina unter einem Regenschirm kuschelten, Lea die Reißverschlüsse der Mitreisenden zumachte, da sie sonst nervös wurde, und die anderen Fotos von überfluteten Gassen machten, schlenderten wir (Frau Auer wollte wegen Knieschmerzen lieber getragen werden) durch die Via Dolorosa. Später sangen wir „Aufstehen, aufeinander zugehen“ in der Sankt Anna Kirche und zogen die Blicke der anderen Touristen auf uns.

Die Exkursion zu Yad Vashem hat bei allen Mitreisenden einen bleibenden Eindruck hinterlassen, denn hierbei handelt es sich um eine Gedächtnisstätte für die Opfer des Nationalsozialismus. Das Haupthaus beeindruckte nicht nur mit seiner Architektur, sondern auch mit vielen eindrücklichen Geschichten und Bildern aus der NS-Zeit. Dieser Ausflug hat uns ziemlich kalt erwischt, doch wir haben wieder gelernt, dass wir mit unserem Handeln die Zukunft beeinflussen können. 

Besonderes Highlight der Reise war der Tag in der Wüste Israels. Die Felsenfestung Masada erweckte bei Herrn Lohmann die Lust, Selfies zu machen. Im größtenteils wegen Regen gesperrten Naturpark En Gedi wurde eine Gruppe pubertärer Jungs von den Mädchen beim Baden observiert, während die Lehrer die Zeit nutzten, um wieder mal zu essen. Andere besuchten Souvenir Shop Nummer 125. Leander erfreute sich an Qumran, wo „ein kleiner Beduine“ alte, heilige Schriften gefunden hat und bezeichnete den Jungen als Helden. Weiterfahrt ans Tote Meer. Fast alle gingen baden, bis auf Herrn Konrad, der nicht mal eine Badehose eingepackt hatte. Tabea hatte anfangs Startschwierigkeiten, da sie sofort Salzwasser ins Auge bekam. Als dann alle im 33%igen Salzwasser schwebten, wurden von außen Erinnerungsfotos geknipst. Einige nutzen auch den Schlamm am Meeresboden, um der Haut ein besonderes Wellnessprogramm zu bieten. Hierbei denken wir besonders an das Schlammmonster Nils, der schnell noch Sophia umarmte, bevor es zu den Duschen ging. Die Rückfahrt in die Unterkunft wurde von Cicely und Christine genutzt, um Quizduell zu spielen, der Rest der Reisenden machte lieber wieder ein Schläfchen. Schließlich waren die Nächte, bedingt durch Werwolfspielen mit Frau Frey, Madagaskarschauen oder Weintrinken, sehr kurz. 

Neben den vielen, vielen Ruinen und Steinen, die wir gesehen haben (es waren irgendwann so viele Steine, dass Katharina fast geweint hätte, wenn wir noch mehr gesehen hätten), besuchten wir eine jüdische Schule in Jerusalem und eine deutsche Schule für Palästinenser in der Nähe von Betlehem. Wir knüpften neue Freundschaften und erfuhren viel über das Leben und die politische Meinung der Schüler.

Einen besonderen Platz in unseren Herzen hat unser palästinensischer Busfahrer Abed (er sah aus wie Jesus!) eingenommen. Mit seiner positiven Lebenseinstellung, trotz allem, was er erlebt hat (an einem Abend erzählte er uns ganz viel aus seinem Leben), verzauberte er uns alle. 

Zweite Unterkunft war das Pilgerhaus Tabgha am See Gennesaret, welches mehr an ein 4-Sterne Hotel als an ein Pilgerhaus erinnerte. Beim ersten Abendessen passierte es dann auch, dass wir, bekleidet mit Jogginghose und Hoodie, auf Stoffservietten und schicke Kellner trafen. 

Während unseres Aufenthalts am See Gennesaret passierte viel, zwar keine Speisung der 5000 wie bei Jesus, dafür allerlei andere wundersame Dinge. 

So trafen wir kurz nach unserer Ankunft auf mutierte Riesen-Quokkas, welche sich als „Klippschliefer“ herausstellten. Sie sahen Nils, der den Strand des See Gennesarets mit den Worten „Ich bin der König dieses Strandes und dieses Sees“ unter seine Fittiche genommen hat, als ernsthafte Konkurrenz. Nils, Kim, Emi, Yassi, Feli, Maren und Annika stürzten sich in die eiskalten Fluten des Sees, während sich Julian am „über Wasser laufen“ versuchte und Gina den historischen Moment mit einem professionellen Foto festhielt. 

Ebenso historische Momente gab es von Herrn Konrad: Herr Konrad alias Sven Hieronymus (sponsored by Linas Haaren), Herr Konrad auf dem Boden liegend, um ein gutes Foto zu schießen oder Herr Konrad mit Frau Heß durch den Bus zu „Herzbeben“ tanzend, während sie kritisch von Frau Frey beobachtet wurden und unser Guide Freddie im Takt mitwippte.

Beim Abendessen stritten Tilman und Kathi über die Anordnung der Salatgabel (oder ist es doch die Gabel für den Nachtisch?) auf dem Tisch, Alena und Sophie hingegen genossen einfach das Essen. Annika und Lydia nutzten die freie Zeit, um diverse Hebefiguren zu üben, um später atemberaubende Fotos zu machen. 

Spannende Momente gab es aber nicht nur an Land, denn die Bootsfahrt auf dem See entpuppte sich als eine Tour mit einem Partyboot. Tanzend und singend zu Macarena und YMCA genossen wir den Fahrtwind und das Leben. 

Am vorletzten Tag unserer Reise fuhren wir, bei strahlendem Sonnenschein ans Mittelmeer und sahen beeindruckende Höhlensysteme, Kreidefelsen, die Hafenanlage von Akko und ganz wichtig den Falafelstand, bei dem die ganze Gruppe, dank Herrn Lohmann, Falafel für 3,50 € kaufte.

Natürlich hatten wir noch viele andere Programmpunkte, hier ein kleine Zusammenfassung: Ölberg, Auguste Victoria, Geburtskirche in Betlehem, Jericho, Megiddo, Betsaida, Magdala, Banyas und vieles mehr…

Leider waren unsere 10 Tage Studienreise, gefüllt mit ganz viel Programm, ganz viel Spaß und ganz viel Essen, sehr schnell wieder rum. Wir haben sehr viel über Israel, seine Menschen und seine Konflikte gelernt (ja, wir hatten nicht nur Spaß, auch wenn es hier so rüberkommt). 

Die Zeit in diesem Land war irgendwie magisch, sie hat uns verändert. Wir Reisenden gingen größtenteils als einander Unbekannte los, zurück kommen wir als Freunde oder gar als Familie.

Mit einem lachenden und einem weinenden Auge blicken wir auf eine unvergessliche Reise mit wunderbaren Menschen zurück. Was für immer bleibt ist unsere Erinnerung und wir können uns, wann immer wir wollen, zurückträumen. 

Am Schluss möchte ich ein Zitat von John Strelecky aus „Das Café am Rande der Welt“ anfügen, denn das beschreibt unsere Israel-Reise unfassbar gut: „Manchmal, wenn man es am wenigsten erwartet, aber vielleicht am meisten braucht, findet man sich an einem unbekannten Ort wieder, mit Menschen, die man gleichfalls nicht kennt, und erfährt neue Dinge.“

Danke Israel, du warst so gut zu uns.

Text: Sophia Gumpert

Fotos: Sophia Gumpert, Gina Herrmann, Sabine Heß


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