Fürchterlicher Fluch am GYMNO

02. OKT 2026 Aktuelles

Kurs 13 DS lädt zur Reise durch 7 Weltmeerchen ein

Wie muss es wohl sein, wenn Jack Sparrow mit der Tür und mit seiner Crew und mit Aladin ins Zimmer fällt? So ergeht es Rapunzel, Schneewittchen und Dornröschen. Wobei diese sich durch den "Anker" in der Hose eindeutig als männlich zu lesenden Don Rosé ausweist.

So erfährt man manches, was die Gebrüder Grimm und das Medienimperium Disney verschwiegen beziehungsweise verdreht haben.

Genannte und noch nicht genannte Damen warten auch nicht auf ihre Märchenprinzen, sondern zeigen ihren nervigen, langweiligen, von Rauschmitteln zugedröhnten und somit eindimensional-austauschbaren Typen, wo der Hammer hängt. So hat Jasmin ihrem bekifften Aladin den Laufpass gegeben. Mit Teppich aber ohne Lampe strandet dieser bei Sparrow und dessen Crew. Gemeinsam probieren sie die Lampe zu finden, um die Piraten von ihrem Fluch zu erlösen, der sie dazu verdammt, sinnlos auf den Meerchen herumzukreisen. Arielles Vater, Triton, verhängte diesen einst, weil u.a. Sparrow Arielle zu nahe gekommen ist.

Das alles wird äußerst lustig dargeboten. Es dürfte schon klar sein, dass das Stück aber mehr als Klamauk zu bieten hat.

Die ICE-Königin schickt ihre Olafs aus, um den Immigranten Aladin zu jagen. Eine gesellschaftlich-politische Dimension zeigt sich auch, wenn ein schwuler Pirat Don Rosé aus dessen Rauschausschlaf-Schlaf wachküsst - und das nach einem ergreifenden Monolog, in dem die Erfahrung eines ganzen queeren Piratenlebens rekapituliert werden.

Kurzum: Jugendliche Power bringt Themen, die sie bewegen in einem Parforceritt auf die Bühne: Rolle des Mannes, starke Frauen, liebende und liebesbedürftige Menschen, auch in queeren Varianten, Drogen, Rassismus etc. Theater prall aus dem Leben.

Dabei ist die absolut tolle Ensembleleistung hervorzuheben. Die Schauspielerinnen und Schauspieler spielten präzise zusammen, reagierten spielwitzig aufeinander, Impulse einer Figur strahlten auf alle anderen aus. Hier zeigte sich allerdeutlichst das Engagement, das Herr Rudszeck seit mehr als zwei Jahren in die Truppe steckt.

Außerdem ist der Mut des Ensembles hervorzuheben. Den braucht man, um so selbstverständlich moderne und klassische Märchen zu kombinieren, um deren Hauptfiguren für den Jugendlichen von heute so greifbar darzustellen.

Man braucht ihn, um vielleicht-biographisch Queer-Themen so zu präsentieren.

Man braucht ihn auch, um derbe Chauvi-Sprüche auf der Bühne rauszuhauen, so dass man zum Buhmann des Publikums wird. Man braucht Mut, um einen solchen Stilmix zu zeigen. So wurde z.B. auch viel getanzt. Die Olafs kamen tänzerisch den Immigranten Aladin immer mehr auf die Spur.

Man braucht Mut, die Sicht der Jugend so klar positioniert auf die Bühne zu stellen.

Ein toller Abend. Das Publikum hat die Schülerinnen und Schüler mit stehenden Ovationen gefeiert.

Text: Joachim Bayer
Fotos: Stefanie Kiehn


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